Biikebrennen auf Föhr

Wenn die Insel den Winter verabschiedet

Biikebrennen auf Föhr: Wenn die Feuerstellen die Dörfer erhellen.

Jedes Jahr am 21. Februar liegt eine ganz besondere Atmosphäre über der Insel. Die Mischung aus salziger Meeresbrise, dem herben Geruch von brennendem Holz und der kalten Winterluft verraten den Grund: das Biikebrennen. Wenn die Dämmerung einsetzt, versammeln sich Insulaner und Gäste, um gemeinsam eine Tradition zu feiern, die so alt ist wie die friesische Seele selbst.

Ein Jahrtausend voller Feuer: Die Geschichte der Biike

Die Geschichte der Biike (friesisch für „Feuerzeichen“) ist eine Reise durch die Zeit. Ihre Ursprünge reichen zurück bis ins 10. Jahrhundert. Damals waren es heidnische Frühlingsfeuer, mit denen unsere Vorfahren versuchten, die dunklen Mächte des Winters und die bösen Geister zu vertreiben. Man glaubte fest daran, dass die Flammen die Kraft besaßen, die Natur wieder zum Leben zu erwecken und die kommende Saat zu schützen.

Die Ära der Walfänger: Ein brennendes Versprechen

Die wohl bewegendste Phase erlebte das Biikebrennen während der großen Walfang-Ära vom 17. bis 19. Jahrhundert. Für die Familien von Föhr, Amrum und Sylt sowie den Halligen war der Abend vor dem Petritag (22. Februar) ein Schicksalstag. Die Winterruhe endete und die Seemänner brachen nach Holland auf, um dort auf Walfangschiffen anzuheuern - Ziel war das gefährliche Eismeer.

Die einzelnen Feuer entlang der Küste dienten den Seefahrern als letzte Orientierungspunkte und als Abschiedsgruß, während sie in die Ungewissheit segelten. Doch viel wichtiger war die symbolische Bedeutung: Das Feuer war ein flammendes Versprechen der Daheimgebliebenen. Es rief den Männern zu: „Wir stehen hinter euch! Kommt gesund nach Hause zurück.“ Es war ein Zeichen der Gemeinschaft und des Zusammenhalts in einer harten Zeit. Heutzutage wird statt der vielen kleinen Feuerstellen an den Küsten entlang, ein großes Feuer an einem ausgewählten Platz im Dorf entzündet - natürlich steht die freiwillige Feuerwehr bereit.

UNESCO-Kulturerbe: Eine Tradition für die Ewigkeit

Dass dieser Brauch nichts von seiner Faszination verloren hat, wurde im Jahr 2014 offiziell besiegelt: Die UNESCO nahm das Biikebrennen in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf. Es ist nicht nur ein Feuer; es ist gelebte Geschichte, die Pflege der friesischen Sprache und ein Symbol für die regionale Identität, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Inzwischen gibt es auch zahlreiche Feuer auf dem Festland- aber bitte nicht mit den Osterfeuern zu verwechseln.

Der Ablauf: Friesische Leidenschaft und Grünkohl

Heute beginnt das Fest in Wyk mit einem Fackelzug für die Kinder, Eltern, Großeltern und jeden der Lust auf einen gemeinsamen Fußmarsch hat. Fackeln werden direkt vor Ort verkauft. Schon Wochen zuvor hatten junge Leute oder auch die freiwillige Feuerwehr Äste und Bäume – darunter die ausgedienten Tannenbäume des Weihnachtsfestes – gesammelt und zu einem großen Holzstoß aufgeschichtet. Zwischen 17:30 und 18:30 Uhr ist es dann soweit und die Biikerede, oft auf Feering (unserem Inselfriesisch), wird vom Bürgermeister gehalten und erinnert an die Werte der Insel. Sie endet mit der friesischen Aufforderung:

„Tjen di Biiki ön!“ (Zündet die Biike an!)

Sobald die Flammen in den Himmel schießen und die Strohpuppe – das „Petermännchen“ oder Piader auf Friesisch– als Symbol für den Winter fällt, rücken alle näher zusammen. Die Kinder haben Spaß daran, mit ausgebrannten Kohlestückchen sich gegenseitig und auch den Erwachsenen das Gesicht anzumalen. Und die Erwachsenen - die erfreuen sich an diesem kleinen Schabernack. Anschließend klingt das Fest oftmals in gastronomischen Betrieben aus - traditionell mit Grünkohl, Kochwurst, Schweinebacke und karamellisierten Kartoffeln. Es wird bis tief in die Nacht in geselliger Runde gefeiert. Ein großes Highlight für die Insel- und Halligkinder sind die freien Tag um Biike (beweglichen Ferientage), so dürfen die Kids an Biike länger als gewöhnlich aufbleiben.

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